Ein Performancekonzert mit Komposition und Improvisation – Musik, Tanz und Live-Malerei

Trilogie in Blau - Karen Schlimp

Trilogie in Blau – Karen Schlimp

Für die Pianistin Karen Schlimp hat die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten und die Beschäftigung mit Improvisation dazu geführt, selbst kreativ zu werden. „Mir geht es aber nicht darum, ein neues zeitgenössisches Stück zu erfinden“, sagt sie, „mir geht es darum, Dinge in neue Zusammenhänge zu stellen und dadurch Neues zu schaffen“. So entstand eine Performance, in der die Grenzen verschwimmen: Malerei, Tanz und Musik entstehen interaktiv im Moment. Was passiert, wenn der Tanz die Musik schafft, die Musik das Bühnenbild und der Pinsel zu tanzen beginnt?

Dazu kommen Kompositionen zu (projizierten) Bildern von Paul Klee und Paul Gauguin, und eine Uraufführung des Salzburger Komponisten Werner Raditschnig, ein Werk, das er speziell für diesen Anlaß geschrieben hat.

Die Verbindung von Auge und Ohr steht im Mittelpunkt dieses Abends. Bewegung wird zu Klang, das Instrument mutiert zum Tanzobjekt, Scherben erklingen. Unerhörte Musik!

Programm

Karen Schlimp: Trilogie in Blau: Duo-Trio-Terzett Konzept-Improvisationen für Klavier, Tanz und Livemalerei

Hans Urs Zürcher: Groteske aus dem Zirkus: Klavierstücke zu Bildern von Paul Klee

John Casken: La Orana, Gauguin für Sopran und Klavier

Werner Raditschnig: Tod in Venedig: Aktion für Klavier – Uraufführung

Erstmals aufgeführt am 5. November 1999 in der Stadtinitiative Wien

Weitere Aufführungen im Konzertsaal des Stiftes Viktring, in Ried im Traunkreis, Toihaus Salzburg

Trilogie ist ein Traum: Inspiriert durch gläserne Klänge des Klaviers und durch Lichtbrechungen von Glas entstand die Idee Glas und Klang zu verbinden. Ausgangspunkt der Erarbeitung waren Eigenschaften und Charakter des Materials sowie die persönliche Beziehung dazu. Durch die Arbeit mit fixen Improvisationsstrukturen zum Thema Glas entstand das Stück Duo.

Trio entwickelte sich aus dem Wunsch das Instrument auch als Tanzpartner wahrzunehmen, so mit ihm in Kontakt zu treten, und daraus Musik zu entwickeln. Die aus Amerika stammende postmoderne Tanzform Contact -Improvisation tat ihr übriges dazu.

Terzett spielt mit Linien und Farben. Der Pinsel tanzt, die Farbe agiert, die Tänzerin reagiert. Drei verschiedene Kompositionen entstehen.

Die Sammlung Groteske aus dem Zirkus V. vereinigt acht Klavierstücke aus dem Zyklus Wintergarten (entstanden im Herbst/ Winter 1975). Für den 1941 geborenen Schweizer Komponisten und Klavierpädagogen Hans Urs Zürcher ging es vor allem darum, den Klang eines jeden Bildes aufzuspüren, und in Musik umzusetzen. Bei manchen Bildern wurden einige Parameter der bildnerischen Sprache direkt in musikalische übersetzt, bei anderen übertrug der Komponist die Athmosphäre.

John Casken wurde 1949 in England geboren. Er begann als serieller Komponist. Ia Orana, Gauguin entstand 1979 im Auftrag der Sängerin Jane Manning und des Pianisten Richard Rodney Bennet, die dieses Werke im Rahmen eines Mittagskonzertes im Museum von Leicestershire uraufführten.

Der Titel des Werkes Ia orana, Gauguin bezieht sich auf einige Bildertitel Gauguins (z. B.: Ia Orana, Maria) und heißt in der Eingeborenensprache Tahitis „Sei gegrüßt, Gauguin.“

Der Text der Komposition zitiert oft Bildertitel wie“Yellow Christ,““ Where are you going?“ ….Die musikalische Verarbeitung der Bilder ist unterschiedlich: Manchmal philosophiert der Komponist über den Inhalt der Bilde in Klangrezitativen, in denen die Sängerin zum Beispiel Vokale einfärbt, Töne vierteltönig verändert und Konsonanten als athmosphärisches Mittel einsetzt. An anderen Stellen vertont er Formen („Arrows of Pissarros Light, Cezanne Cylindres“), Farben („Azure Blocks“) und Materialien („Patchwork Quilt“). Sängerin und Pianistin werden ausgesendet, ein musikalisches Gemälde zu gestalten, das alle Elemente Gauguinscher Kunst enthält.

Tod in Venedig von Werner Raditschnig wurde für diesen Abend komponiert. Es ist ein Herbststück, ein Ritual. “Skulpturale Klangkunst“ nennt der Salzburger Komponist diese Art von Musik.“Der Gestus des Musizierens wird verlassen. Ist das noch Musik?“

Auch in seinen anderen Werken bewegt sich der Gitarrist und Komponist Werner Raditschnig an der Grenze zwischen Musizierwelten, Elektronik und selbstgebauten Klanginstallationen. Dieses Stück ist nicht nur Klang es ist auch Zeit. „In diesem Stück wird jeder Pianist seine eigene Zeit einbringen, auch wenn es in fünfzig Jahren gespielt wird. Die Stimmung ist zeitlos. „Venedig im November-morbide.“

Karen Schlimp (Konzeption, Musik), Ingrid Hörlezeder (Tanz), Katrin Hornburg (Malerei)

Karen Schlimp

* 1968 in Kärnten. Ausbildung an der Musikhochschule Wien in Klavierpädagogik (Mag.art) und an der Guildhall School of London. Konzerttätigkeit in Ö, D, GB, Japan. Unterrichtet Klavier am Bruckner Konservatorium Linz und hat einen Lehrauftrag an der Universität für Musik in Wien. Beschäftigung mit Contact Improvisation, Zusammenarbeit mit Ingrid Hörlezeder in der Performancegruppe Girr (Entwicklung eigener Theaterstücke). Zeitgenössische Musik und Lust am kreativen Experimetieren zählen derzeit zu ihren Lieblingsbeschäftigungen.

“Das Konzept dieses Abends ist ein langer Traum mit vielen Etappen. Manchmal lassen sich Träume erfüllen.“

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Birgit Kurtz

* 1970 Linz. Studium am Konservatorium der Stadt Wien (Gesang und Gesangspädagogik bei Margaret Zimmermann und Sebastian Vitucci, Musikalisches Unterhaltungstheater bei Lilo Mrazek) und an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Als Mitglied des Arnold Schönberg Chores zahlreiche solistische Auftritte, u.a. bei den Salzburger Festspielen und dem Festival „Wien Modern“, Solistin bei verschiedenen Opernaufführungen, sowie rege Konzerttätigkeit im Bereich der Kirchenmusik. Eine besondere Vorliebe gilt der Musik dieses Jahrhunderts.

Ingrid Hörlezeder

*1969 in OÖ. Ausbildungen in Musik- und Bewegungserziehung an der Musikhochschule Wien, sowie Tanz und Bewegungstherapien am Moving on Center in Kalifornien.

„Glas schmilzt, wird in Formen gefüllt und erstarrt. Wenn es zerbricht wird es erneut eingeschmolzen, eine neue Form entsteht. Auch mich gibt es in verschiedenen Formen: als Musikerin, Schülerin, Lehrerin, Tänzerin, Freundin, Therapeutin… Heute bin ich Tänzerin – die Form wird sich zeigen im Augenblick des Gesehen-werdens.“

Katrin Hornburg

* 1968 in Braunschweig (D), Graphik und Designstudium in Braunschweig, Barcelona und San Francisco. Theaterarbeit in Wien. Lebt und arbeitet als freie Graphikerin, Fotographin und Illustratorin in Wien.

„Was unsichtbar bleibt gibt uns Rätsel auf, was sichtbar wird ist ein Geschenk. Verschmelzung von Tanz, Musik und Malerei erscheint mir ideal-eine ernste Spielwiese.“

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